Safari-Salama

Reisebericht 25 vom 04.11. - 15.12.2007

Pamplona - Pyrenäen - Carcassonne - Massif Central - Rhônetal - Genf - Luzern - Zürich - Basel

Kongresszentrum Pamplona Durch die Pyrenäen Aragonische Pyrenäen Typisches Bergdorf in den Pyrenäen Katalonische Pyrenäen Bei Minus-Temperaturen unterwegs Eisige Temperaturen (Massif Central) Viadukt von Millau St. Enimie (Tarn-Schlucht) In den Fribourger-Alpen

Am Sonntag, dem 4. November 2007 – unserem 800. Reisetag – verlassen wir Pamplona bei strahlendem Sonnenschein. Im nahegelegenen Huarte legen wir bereits eine Pause ein und besuchen die Ausstellung im neuerstellten "Zentrum zeitgenössischer Kunst". Nach knapp 50km erreichen wir Lumbier, unser gesetztes Tagesziel, wo wir auf dem Zeltplatz – wunderbar unter herbstlich verfärbten Pappeln am Fluss – unser Zelt aufstellen. Die Sonne hat nicht mehr viel Kraft und bald wird es auch schon empfindlich kalt. Wie lange wir wohl noch werden zelten können...? Warm eingepackt verkriechen wir uns im Schlafsack und als wir am Morgen erwachen, ist doch die Zeltaussenseite tatsächlich mit einer Eisschicht bedeckt. Wir sind uns einig: ab jetzt gibts nur noch beheizte Unterkünfte!

Während der nächsten acht Tage fahren wir ostwärts entlang des Pyrenäen-Südfusses. Das Gebirge ist ausgesprochen zerfurcht und wird durch viele Flüsse zerschnitten, sodass wir in dieser Zeit von Tal zu Tal "hüpfen". Hoch, runter, hoch, runter... Obwohl wir morgens öfters bei Minustemperaturen starten und die Fahrbahn stellenweise mit Glatteis bedeckt ist, können wir täglich bei sonnigem Wetter und wolkenlosem stahlblauem Himmel unterwegs sein. Fantastisches Radlerwetter; wir sind in absoluter Höchstform! Geniessen die Fahrt durch prächtige Herbstwälder und enge schattige Schluchten, wo die Raubvögel hoch über unseren Köpfen kreisend die Thermik ausnutzen. Unter anderem können wir eine Gruppe von Geiern, bestehend aus mindestens 30 Tieren, beobachten.

Die Bergdörfer sind noch sehr ursprünglich und weisen ein einheitliches Erscheinungsbild auf. In vielen Orten stehen Kirchen oder Klosteranlagen aus romanischer Zeit; mit zunehmendem Pilgerstrom wurden sie entlang des Jakobswegs errichtet. Der Herbst ist eine ideale Jahreszeit um diese gebirgige Region zu bereisen. Der einzige Nachteil während der Nebensaison unterwegs zu sein, liegt darin, dass wir zunehmend Mühe haben, eine noch offene Unterkunft zu finden.

Bei Puigcerda – östlich des Zwergstaats Andorra – verlassen wir Spanien am Sonntag, dem 13. November. Noch gilt es die letzten paar Höhenmeter auf dem Hochplateau in Richtung Passhöhe (1759müM) unter die Felgen zu nehmen; danach steht uns eine 65km lange Abfahrt bis nach Quillan bevor. Vorbei ist es mit strahlend blauem Himmel: Nördlich der Pyrenäen ist es bedeutend kälter und bald setzt auch heftiger Regen ein, sodass wir gezwungen sind unseren "Carcassonne-Ruhetag" einen Tag früher in Quillan einzulegen. Für unseren letzten Reiseabschnitt haben wir nicht mehr viele Ruhetage eingeplant – wollen zügig vorwärts kommen, damit wir zuhause sind bevor der erste Schnee fällt.

Dennoch wollen wir die Fahrt durchs Massif Central wagen. Gebirgige Landschaften sind einfach abwechslungsreicher und das Rhonetal wollen wir so lange wie möglich meiden. Obwohl wir bei etwas launischem Wetter unterwegs sind und die Temperaturen sich auch tagsüber mittlerweile zwischen 0° und 12°C bewegen, sind wir froh so entschieden zu haben.

Vor Millau führt unsere Strasse unter dem vor wenigen Jahren erstellten und vielfach publizierten "Viaduct de Millau" hindurch. Grazil und mit unglaublicher Leichtigkeit stehen die Pillone in der gebirgigen Landschaft – die höchsten höher als der Eiffelturm – die Fahrbahn – aufgrund der ausserordentlichen Windverhältnisse als Hängekonstruktion ausgebildet. Ein faszinierendes Beispiel dafür, wie eine bauliche Grossstruktur nachhaltig und zurückhaltend in die Landschaft integriert werden kann.

Nach Millau – einer Stadt, in der die Verarbeitung von Leder eine lange Tradition hat, die auch noch heute gepflegt wird - folgen wir dem Fluss Tarn talaufwärts, der hier stellenweise eine tiefe, enge Schlucht ins Gebirge "gefressen" hat. Kommen an Gänsemästereien und Käsemanufakturen vorbei – bei letzteren geniessen wir Degustation und Einkauf. Ortliebtaschen als idealer Kühlschrank :o). Auch die Ardèche wollen wir uns nicht entgehen lassen; verlassen bei Ste. Enimie den Tarn, pedalen bei regnerischem Wetter entlang der Zigzag-Strasse, die steil die Schluchtwand hoch führt, hinauf und haben 600m weiter oben eine erste Passhöhe erreicht. Der Wind bläst kalt und heftig. Brrr – richtig unfreundlich ists an diesem Tag! In Chateauneuf de Randon beziehen wir ein sehr schönes Hotelzimmer und tauen uns unter der Dusche auf. Noch knapp 200 Höhenmeter gehts tagsdarauf bergwärts bevor wir auf 1455müM eine weitere Passhöhe erreichen. Die Abfahrt durch das spektakuläre Tal der Ardèche steht uns bevor: Der Himmel hat sich verfinstert und bald regnet es auch schon in Strömen. Wir sehnen uns nach einer heissen Schoggi oder einer wärmenden Suppe oder zumindest nach einem Schopf, wo wir vorübergehend unterstehen könnten. Doch da ist nichts. Warm und wasserdicht eingehüllt nehmen wir mit hängendem Kopf die Abfahrt in Angriff. Von der Schlucht sehen wir nicht viel – der Nebel hängt tief. Mittlerweile hat der Regen sintflutartige Ausmasse angenommen: Bäche stürzen die Felswände hinunter, die Fahrbahn ist geflutet. Autofahrer hupen uns zur Aufmunterung zu; ja, wir gebens zu: Auch wir würden momentan ein Auto unserem Göppel vorziehen :o)... Rolands Bremsklötze versagen schon bald; er ist wieder gezwungen die Abfahrt im Schneckentempo zurückzulegen und mit den Füssen zu bremsen.

Völlig aufgeweicht und halb durchfroren erreichen wir kurz vor dem Eindunkeln die kleine Ortschaft Thueyts, wo wir gleich ein Zimmer in Beschlag nehmen und dieses im Nu in einen Trocknungsraum verwandeln. 27'000km und 200'000 Höhenmeter können wir an diesem struben Tag bei einem feinen Znacht im Restaurant feiern. Thueyts ist ein kleiner Kurort – in der Umgebung gibts Thermalquellen. Ihr wisst schon, diese Fusspilzbrutstätten und Aufzuchtstationen von unzähligen Keimen mit unaussprechlichem Namen... wir werden langsam schnödig; denken zwar – wie so oft – an China zurück, wo wir ohne mit der Wimper zu zucken ins seichwarme Nass gehüpft sind... und uns auch Tage später noch pudelwohl fühlten. Aber eben, das war China... gaaaanz was anderes halt ;o).

Valence, Vienne und Belley sind unsere letzten Etappen auf französischem Boden, bevor wir am Montag, dem 26. November 2007, bei fantastischem wolkenlosem aber windigem Wetter bei St. Julien-en-Genevois über die Schweizer Grenze rollen. Tja, was soll man da sagen...

Wir stehen am Zoll, noch auf französischer Seite, wollen ein Portrait von uns knipsen. Unsere Köpfe im Vordergrund und dahinter soll man am Dach des Zollgebäudes "Schweiz Suisse Svizzera" lesen können. Irgendwie will es uns nicht gelingen. Das Dach ist mit hochpoliertem Stahlblech verkleidet – die Sonne scheint und bringt den Dachrand zum glitzern; lesen kann man nichts. Wir lassens bleiben – es gibt ja wichtigeres im Leben... Stehen da, kramen ein letztes Mal unseren Pass hervor – noch ist er nicht ganz vollgestempelt – es hätte also noch Platz :o). Und so fahren wir wie gewohnt mit unserem roten Bilderbüechli, das in den letzten gut zwei Jahren immer wieder für staunende Gesichter gesorgt hat, dem Zöllner entgegen. "Bonjour. Passez!" Hey, wenn der wüsste, was wir alles Wertvolles im Gepäck haben – Bilder, Geschichten, unvergessliche Begegnungen und Erlebnisse – zum Glück lässt sich das nicht verzollen!

Mit gemischten Gefühlen kommen wir heim. Müde vom vielen Velofahren sind wir noch lange nicht; auch haben uns die vielen Eindrücke unterschiedlichster Art noch nicht zur Erschöpfung gebracht. Das ist ja eben das Fantastische am Veloreisen: Man ist schnell genug unterwegs, um wirklich vorwärts zu kommen, aber langsam genug um das, was einem umgibt, aufnehmen zu können.

Aber bissigkalt ists mittlerweile und öfters regnerisch. Wir sind beide Sommermenschen und froh, wenn wir nicht mehr tagelang bei launischem Winterwetter per Velo unterwegs sind.

Wir sehnen uns nach unserer Familie und unseren Freunden – und wie! Während 28 Monaten täglich während 24 Stunden aneinander zu kleben stellt für eine Beziehung eine grosse Herausforderung dar. Wie freuen wir uns darauf, uns wieder mit anderen Leuten auszutauschen, die die gleiche Sprache sprechen!

In Genf besuchen wir André, den wir vor gut einem Jahr in Chengdu/China kennengelernt haben und der einen Teil unserer Reise in die entgegengesetzte Richtung unter die Felgen genommen hat. Viel haben wir uns zu erzählen und an beiden Abenden wirds spät...

Das Wetter ist mittlerweile wieder ganz auf unserer Seite und so steht unserem "Plan A" nichts mehr im Weg: Wir wollen noch auf eine Tour de Suisse starten – möglichst viele unserer lieben Leute besuchen. Die Route führt uns via Lausanne und die Fribourger Berge nach Heimberg bei Thun, wo wir Brigitte und ihrer Familie einen Besuch abstatten.

Über Brienzwiler gelangen wir nach Luzern; bei Sabine und Rainer verbringen wir einen schönen und unterhaltsamen Abend. Auch unseren ehemaligen Büros statten wir natürlich einen Besuch ab – einen Überraschungsbesuch, der auf allen Seiten grosse Freude auslöst.

Nicole, Rolands Schwester, besuchen wir in Ebikon, bevor es uns via Ruswil, wo Rolands Göttibub wohnt, nach Willisau zieht. Nach langer Zeit können wir wieder Rolands Eltern und Geschwister in die Arme schliessen – ja, es kullert auch die eine oder andere Freudenträne. Die Wiedersehensfreude ist natürlich gross und beim Raclette gibts viel zu erzählen. Drei Tage bleiben wir in Willisau, sind bei Katrin und Koni zum zNacht eingeladen und treffen noch mehr Kollegen zu einem Feierabendbier – für die Frauen gibts Cüpli ;o).

Seit wir Luzern verlassen haben, regnets – meist heftig. Wir ziehen durch, was wir angefangen haben und pedalen zwischen zwei Wolkenbrüchen am Samstag, dem 8. Dezember von Willisau nach Sursee. Wir bekommen sogar Gesellschaft, denn Mano hat sich in die volle Regenmontur gestürzt um uns auf den bevorstehenden 14 km zu begleiten.

Auch Petra und Luki haben viel zu erzählen – wieder wirds spät.

In Wikon besuchen wir Barbara und Guido und lernen endlich Arno, Sabines Gottibub, kennen, der zur Welt gekommen ist, als wir in Singapur waren. Zwei Jahre ists her... und Arno düst schon durch die Gegend.

In Aarau werden wir von Babs und Dömi herzlich empfangen, wo wir einen weiteren kurzweiligen Abend mit viel Gelächter verbringen.

Am Dienstag, dem 11. Dezember spulen wir bei 4°C und strömendem Regen nach Zürich. Ja, ja, Velotransport mit der SBB wäre ja auch eine Alternative... Aber: Es wird jetzt nicht gemurrt! Was nicht umbringt, macht hart, jawoll!

Markus und Patricia haben uns sogar den Wohnungsschlüssel deponiert, so dass wir sie frischgeduscht und aufgetaut in ihrer Wohnung empfangen können, als sie nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommen. Doch auch bei ihnen gehört das mittlerweile der Vergangenheit an; sie pedalen derzeit für sechs Monate durch Australien: www.kokobike.ch/australia

Auch freuen wir uns sehr, Sandra und Tobi mit den Mädels und Sabine und Andri mit Ursin besuchen zu dürfen.

Am Freitag, dem 14. Dezember schliesst sich der Kreis. Wir radeln in Richtung Rhein, wo wir in Hettenschwil Vreni und Martin besuchen, die uns schon am Tag 2 unserer Reise zum zVieri eingeladen haben.

Tagsdarauf ists kalt bei 1°C und bewölkt. Knapp 70km stehen uns noch bis nach Basel bevor. In Rheinfelden sind wir halb durchfroren und kehren im Migros-Restaurant zum zMittag ein. Ahh, tut das gut. Eine warme Suppe und ein Teller Spaghetti – alles da, was des Radlers Herz begehrt!

Kurz nach 16 Uhr steigen wir an der Realpstrasse vom Velo. Eine grosse bemalte Blache hängt an der Fassade und kündigt unsere Rückkehr an. Durchs Fenster hindurch werden wir beobachtet. Wir sind etwas zu früh, erst das Willkommensparty-Organisationsteam ist anwesend. Urs, Lukas, und Sabines Tanten Vreni, Marianne und Susanne bereiten uns einen grandiosen Empfang. Wieder gibts ein paar Tränen... Langsam trudeln die Gäste ein: Freunde, Bekannte und Nachbarn – das Haus ist zum Bersten gefüllt. Unermüdlich hantieren Susanne und Marianne in der Küche und kreieren ein Buffet vom Feinsten. Und wir – wir erzählen, erzählen, erzählen.

Die Wiedersehensfreude mit Euch allen war riesig und der herzliche Empfang, den Ihr uns alle bereitet habt, hat uns enorm gefreut. Danke auch, dass Ihr Euch alle Zeit genommen habt, um uns zu empfangen. Es ist schön, das Heimkommen langsam angehen zu können. Ihr habt uns diesen Schritt erleichtert.

Tourenstatistik:
  • Anzahl Reisetage:
  • Anzahl Velotage:
  • Total Velodistanz:
    Davon nicht asphaltiert:
  • Total gefahrene Höhenmeter:
  • Total reine Fahrzeit:
  • Velodistanz pro Velotag:
  • Höhenmeter pro Velotag:
841
458
28'003km
2'119km
207'896m
1'950h 38min
61km
454m

Zu den Fotos...

Sabine & Roland, 27.01.2008

© pk&mk 23.02.2008