Velotour Südafrika - Namibia

Reisebericht vom 28.03. - 11.04.2005

Südliches Namibia: Fish River Canyon, Oranje River, Lüderitz oder Patricias böser Fuss...

Köcherbaum Hochsitz im Gemsbokberg unser 2x5 private toilet es besteht Hoffnung...

Route:
Noordoewer - Gemsbokberg Campsite - Ai-Ais - Hobas - Kanabeam - Oranje River - Rosh Pinah - Aus (Auto) - Lüderitz (Auto)

deutsch:
Im südlichen Namibia lernten wir die unterschiedlichen Qualitätsstufen von Gravel Roads kennen & kämpften mit der sehr dünnen Versorgungslage. Nach einer Rundtour am Fish River Canyon & zwei Nächten wilden Campierens erreichten wir die Minenstadt Rosh Pinah. Eine Erkrankung von Patricias Fuss verunmöglichte uns das Velofahren leider für ein paar Tage, so dass wir die Strecke Rosh Pinah - Aus - Lüderitz per Anhalter zurücklegten.

english:
In southern Namibia, we got to know the different quality levels of gravel roads & the very thin infrastructure. After a round trip in the Fish River Canyon area & two nights wild camping we arrived in Rosh Pinah. A disease of Patricias foot forced us to stop cycling for a few days. Therefore we got a lift from Rosh Pinah to Aus & Luderitz.

Nach den vier sehr abwechslungsreichen Tagen auf dem Oranje River setzen wir uns am Montag 28.03.2005 wieder voller Tatendrang auf unsere Velos. In Noordoewer kaufen wir noch ein paar Lebensmittel ein, viel ist hier jedoch nicht erhältlich; zu klein ist der Ort, obwohl es sich um den Hauptgrenzübergang zu Südafrika handelt.

Die Temperaturen sind während der gesamten zwei folgenden Wochen zum Glück nicht mehr so extrem wie bei unserer Ankunft in Namibia. Tagsüber bewegen sie sich meistens zwischen 30-35°C, nach Sonnenuntergang kühlt es rasch auf 15-20°C ab.

Die ersten 45km gehts auf geteerter Hauptstrasse immer leicht bergauf, es sollte für uns für eine längere Zeit das letzte Mal sein, dass wir Teer unter den Rädern haben! Ziemlich genau auf halber Distanz zwischen Noordoewer & Ai-Ais, für uns in optimaler Tagesreichweite, liegt das neu errichtete 'Gemsbokberg Rest Camp'. Gemäss Gästebuch sind wir seit der Eröffnung im Dezember 2004 erst die fünften Besucher dieses sehr liebevoll angelegten Campsites. Wir schlafen auf einer Art Hochsitz, einmal mehr ohne Zelt & geniessen den wunderbar klaren Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre. Die Idylle wird in der Nacht einzig dadurch gestört, dass Patricia mit einer Magenverstimmung aufwacht & sich übergeben muss...

Am nächsten Tag gehts auf ziemlich guter Gravel Road (d.h. wenig Wellblech & ziemlich hart) weiter nach Ai-Ais. Während gut 6 Stunden auf der Strasse begegnen uns gerade mal 10 Fahrzeuge; wobei wir zweien davon eigentlich gar nicht hätten begegnen sollen: Zwei grosse 4x4 Autos mit je einem grossen Anhänger, ausgerüstet mit GPS & Bordfunk & besetzt mit 5 Südafrikanern, kommen uns entgegen gefahren. Als sie auf unserer Höhe sind halten sie an, fragen nach unserem Wohlbefinden & wohin uns der Weg denn führt. Auf unsere Antwort 'nach Ai-Ais' folgt ein leeres Schlucken, dann ihre nächste Frage 'in welche Richtung liegt denn Ai-Ais, da wollen wir nämlich auch hin?!'. Es stellt sich heraus, dass die fünf seit 10km in die falsche Richtung fahren... Na ja, die beste technische Ausrüstung nützt nichts, wenn man sie nicht beherrscht! Vor Ai-Ais gibts dann eine schöne Abfahrt, auf welcher wir 300Hm vernichten dürfen. So richtig geniessen können wir diese allerdings nicht, denn wir wissen, dass wir dieselben am nächsten Velotag wieder hochkraxeln müssen.

Ai-Ais besitzt eine heisse Quelle & gilt offiziell als DAS Touristenressort am Fish River Canyon. Wir wurden zwar von verschiedenen Seiten vorgewarnt, Ai-Ais sei nichts Besonderes, dennoch sind wir ziemlich enttäuscht: Die gesamte Anlage macht einen heruntergekommenen Eindruck, das Personal wirkt mürrisch & demotiviert, die Gestelle im kleinen Shop sind höchstens zu einem Viertel gefüllt & als wir am Tag der Abfahrt um 07:45 im Shop, der seit 07:00 offen sein soll, unsere Wasservorräte auffüllen wollen, heisst es, wir sollten in 30 Minuten wieder kommen, momentan würden sie Monatsinventar machen... Erst nach längerer Diskussion & grosszügigem Trinkgeld unsererseits kriegen wir dann unsere 10l Wasser doch noch. Und ausgerechnet an diesem Ort sind wir gezwungen, einen Ruhetag einzulegen: Auf Grund Patricias Magenverstimmung vom Vortag begnügen wir uns damit, auszuschlafen & ein Stück dem Fish River entlang hochzulaufen. Landschaftlich ist die Gegend sehr schön, eindrückliche steinige Berge säumen den Fluss, welcher sehr sedimentreiches, braunes Wasser führt. Wir begegnen einigen Echsen & Baboons, welche sich vor uns jedoch sofort verstecken. Im Sand sehen wir verschiedene Tierspuren, welche wir teilweise als Schlangenspuren interpretieren (Velospuren sind es jedenfalls definitiv nicht...).

Nach einem Tag Pause ist Patricia wieder fit & wir fahren nach Hobas, an der Oberkante des Fish River Canyon gelegen. Die Strasse ist wiederum sehr hügelig, ein dauerndes Rauf & Runter (Start & Ziel weisen nur 500m Höhenunterschied auf, wir legen jedoch effektiv 1'200Hm zurück!), zudem bläst uns der Wind oft von vorne entgegen. Um das Velofahren noch etwas unangenehmer zu machen, herrscht auch noch eine Fliegenplage: 10-20 dieser Viecher schwirren jedem von uns konstant ums Gesicht oder kriechen in Nase, Ohren oder hinter die Sonnenbrille... Wir durchfahren sehr karge, steinige bis kiesige Landschaften, sehen in der Ferne Springböcke & wilde Pferde & plötzlich öffnet sich auch der Blick auf den Fish River Canyon: Es handelt sich dabei neben dem Grand Canyon in den USA angeblich um den weltweit zweitgrössten Canyon mit einer Länge von 161km & einer Höhe von 450-550m. Beeindruckend, was die Natur da in Millionen von Jahren geschaffen hat! In Hobas angekommen gönnen wir uns erst Mal ein kühles Cola (jeweils das Highlight nach einem Tag mit 35°C warmem Wasser als einzigem Getränk), stellen das Zelt auf & machen uns gleich wieder auf den Weg: 11 beschwerliche Kilometer fehlen noch bis zum berühmten Viewpoint über den Fish River Canyon. Dort kochen wir unser Znacht & geniessen den Sonnenuntergang über der grandiosen Kulisse des Canyons.

Die nächste Etappe führt uns auf derselben Strecke zurück Richtung Ai-Ais. Allerdings wollen wir nicht mehr nach Ai-Ais runter, sondern entscheiden uns, wild zu zelten. Da es in dieser Gegend (resp. fast im ganzen südlichen Namibia) absolut kein Wasser gibt, bedeutet dies, dass wir unser Gepäck zusätzlich um 22l Wasser aufstocken, was für ca. 2 Tage trinken, kochen, Geschirr reinigen & minimale Körperhygiene reichen sollte. Böse Überraschung dann beim Abfüllen des Wassers in die Wassersäcke: Einer unserer 10l Säcke ist leck! Heute hoffen wir immerhin auf Windunterstützung, aber leider haben nicht nur wir, sondern auch der Wind seine Richtung um 180° geändert... Das erste Tageshighlight ereignet sich bei unserer Mittagsrast: Während wir ein paar trockene ProVita-Bisquits mit Konfi verdrücken, hält ein Auto bei uns an & ein südafrikanisches Paar offeriert uns Wasser! Ist zwar nett, aber davon schleppen wir heute wirklich schon genug selber mit ;-) Die zweite Offerte, nämlich frisches Obst, nehmen wir hingegen sehr gerne an. Mmmmh, wie köstlich schmecken der Apfel & die Birne! Das zweite Highlight ist dann unser Nachtlager: In the middle of nowhere, leicht versteckt zwischen ein paar Wüstensträuchern, richten wir uns gemütlich ein. Abends geniessen wir einen traumhaften Sonnenuntergang mit nachfolgendem Sternenhimmel & mit dem Sonnenaufgang kriechen wir morgens wieder aus dem Zelt.

Durch Mund-zu-Mund Informationen wissen wir von einem 4x4-Track, der ziemlich direkt zum Oranje River führt, jedoch auf fast keiner Karte eingezeichnet ist. Was für ein 4x4 gut ist, kann für uns 2x5 auch nicht schlecht sein & so wagen wir uns an diese 33km lange Piste! Diese ist jedoch ziemlich übel, viel Wellblech oder wo kein Wellblech ist, herrscht tiefer Sand vor, so dass unser Gleichgewichtssinn arg beansprucht wird.

Wir fanden übrigens schon mehrfach heraus, dass wir beide eine etwas andere Ansicht haben, was 'übelste Pisten' sind: Wenn Markus der Meinung ist, so macht das Velofahren wirklich keinen Spass mehr, findet Patricia, so schlimm ist das nun doch nicht, resp. wenn Patricia am Liebsten ins nächste Auto steigen würde (von denen es glücklicherweise nur sehr wenige gibt), tritt Markus mit einem Lächeln in die Pedale & erfreut sich daran, dass nicht auch noch Gegenwind herrscht. So konnten wir uns bisher meist gegenseitig wieder motivieren. Unsere Bikes & Bob sowie das gesamte Material liessen uns bisher übrigens fast nie im Stich, ausser total 4 Platten (Schwalbe Marathon sei Dank!) & einigem Sand im Getriebe haben wir diesbezüglich keinerlei Probleme!

Nach 3 Stunden Plackerei, in denen wir keinem einzigen Fahrzeug begegnen, erreichen wir den uns bereits vertrauten Oranje River. Dort gibts als erstes Mittagessen (ProVita mit Honig; unsere Nahrungsvorräte neigen sich langsam dem Ende entgegen...), bevor wir diesmal nicht auf dem Wasser, sondern auf der Strasse dem Fluss folgen. Diese Gegend ist für uns das Schönste, was wir bisher in Südafrika & Namibia durchradelt haben! Rötliche Berge mit diversen Farbnuancen & Strukturen kontrastieren zum grünen, von Schilf, Bäumen & Sträuchern gesäumten Flussbett. Die Strasse führt immer mal wieder durch sogenannte Riviere, Trockenflussbette mit z.T. 100m Breite, von denen wir uns kaum vorstellen können, dass sie je so viel Wasser führen können. Wir folgen der sich in relativ gutem Zustand befindlichen Strasse (unsere Ansprüche senken sich fast täglich...), beobachten eine Sippe Baboons, welche knapp vor uns die Strasse überqueren & eine Geröllhalde hochklettern & plötzlich entdeckt sie Patricia: Fahrradspuren im Sand! Wie gebannt machen wir uns ans Fährtenlesen, entdecken noch eine zweite Spur, stellen fest, wo die beiden Schattenpausen einlegten, sind aber leider nicht im Stande, die Fahrtrichtung zu eruieren: Das Profil ist zu symmetrisch & die Strassenseite ist kein zuverlässiges Indiz, denn hier wird gefahren, wo die Strasse am Besten ist. Während fast 100km oder 1.5 Tagen sehen wir die Spuren immer wieder, nur die dazugehörenden Tourenfahrer treffen wir nicht. Da die Spuren tendenziell schwächer werden folgern wir, dass die zwei uns entgegen gekommen sein mussten & wir einander wohl knapp verpasst haben. Schade, ein gegenseitiger Informationsaustausch wäre interessant gewesen.

Auf zwei unserer drei Namibia-Karten folgt die Strasse durchgehend dem Oranje. Die Realität sieht aber leider anders aus: Unerwartet biegt die Strasse plötzlich vom Fluss ab Richtung Berge & erklimmt in zahlreichen Kurven & bis zu 18% steilen Passagen 370 sinnlose Höhenmeter, welche auf der anderen Seite sogleich wieder vernichtet werden. Wieder am Fluss angekommen erscheint die Farm Bo-Plaas, welche angeblich auch einen Camping anbietet. Der Camping macht allerdings einen ziemlich morbiden & gruseligen Eindruck: Er ist zwar nicht in einem allzu schlechten Zustand, aber nirgendwo ist eine Menschenseele anzutreffen, das Wasser funktioniert auch nicht & das gesamte Areal scheint seit einiger Zeit verlassen zu sein. Das Ganze erinnert irgendwie an 'Das alte Haus von Rocky Docky' & wir verlassen diesen Ort schleunigst wieder. Wenige Kilometer weiter entdecken wir ein idyllisches Plätzchen direkt am Oranje River. Dort genehmigen wir uns erst Mal ein reinigendes Bad & geniessen den Komfort von genügend Wasser (wenn auch ziemlich grün gefärbtem), welches wir für Reinigung, Abwasch & zum Kochen ungefiltert verwenden können.

Am nächsten Morgen inventarisieren wir unsere Trinkwasservorräte: Von den 22l, mit denen wir vor 48 Stunden gestartet sind, verbleiben noch 1.5l. Dazu kommen mickrige 1.5l gefiltertes Flusswasser, da unser Katadynfilter seine Leistung leider nicht wie erwartet erbrachte. Weil es heute ca. 37°C heiss wird & bis Rosh Pinah noch 65km auf uns warten, reichen diese Vorräte bei Weitem nicht aus. Schon bald stoppen wir einen Autofahrer & erhalten von ihm freundlicherweise eine Flasche eiskalten Wassers geschenkt. Später folgt sogar mal ein kleiner Weiler. Beim ersten Haus klopfen wir an & dürfen unsere Flaschen mit Leitungswasser auffüllen. Dieses hat zwar einen ziemlich unangenehmen Nebengeschmack, aber wenn der Durst gross genug ist, trinkt man/frau alles! Heute sehen wir unsere erste Schlange (ca. 1m lang), welche sich vor unseren Rädern in Sicherheit bringt indem sie die Strasse schleunigst verlässt. Wenig später kommt uns eine ganze Ziegenherde entgegen. Wie wir normalerweise auch, beanspruchen sie die gesamte Strassenbreite für sich. Als wir uns näherkommen weichen beide Parteien je nach links aus & wir kommen problemlos aneinander vorbei! Hier scheinen sogar die Ziegen die Verkehrsregeln zu kennen... Die letzten gut 20km bis Rosh Pinah sind dann nur noch Quälerei & diesmal sind wir uns in dieser Beurteilung sogar einig! Die Piste ist äusserst schlecht & weil wir so stark damit beschäftigt sind, einen einigermassen fahrbaren Weg zu finden, können wir die eigentlich wunderschöne Landschaft gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Hinzu kommt der Gegenwind, der kurz vor Rosh Pinah schon beinahe in einen Sandsturm ausartet. Schliesslich schaffen wir es dann doch & die 2l eiskalten Lemon Twists, welche wir gleich bei der Tankstelle kaufen, sind innert 10 Minuten leer getrunken!

Nach 3 Tagen Pampa gönnen wir uns ein Guesthouse & beschliessen, hier einen Ruhetag einzulegen & endlich unsere Vorräte aufzustocken. Was ist es doch für eine Wohltat, wieder mal in einem Supermarkt zu stehen & Müesli, Getreideriegel, Dörrfrüchte, Pasta, Brot, Sonnencreme & sogar ein Glace einzukaufen! Seit wir Springbok vor 12 Tagen verlassen haben, hatten wir diese Möglichkeiten nicht mehr. Die Versorgungslage im südlichen Namibia ist wirklich äusserst dünn & wir müssen zukünftig noch viel besser planen, wann wir wo Nahrungsmittel & Wasser einkaufen können.

Nachdem wir den gestrigen Tiefpunkt verdaut haben, folgt am Tag drauf der nächste & aus dem einen geplanten Veloruhetag werden leider gut 2 Wochen... Seit dem Tag vor Rosh Pinah schmerzt Patricias grosser Zeh leicht. Im Laufe unseres Ruhetags werden die Schmerzen immer stärker, der Fuss schwillt stark an & Patricia kann sich nur noch humpelnd oder auf dem Bike fortbewegen. Wir machen einen Besuch in der Klinik, wo eine Infektion des Fusses diagnostiziert wird & Patricia Antibiotika & Schmerzmittel verabreicht bekommt. Wir einigen uns auf einen weiteren Ruhetag & hoffen auf Besserung, so dass wir am Tag darauf weiterradeln könnten. Doch nach einer schmerzreichen Nacht & praktisch keinen Aussichten auf Besserung müssen wir diese Hoffnung am nächsten Tag begraben. In Rosh Pinah, dieser Minenstadt, welche ausser besagtem Supermarkt nicht viel bietet, droht uns langsam die Decke auf den Kopf zu fallen. Der heutige Sandsturm mit anschliessendem Dauerregen trägt ebenfalls das seine dazu bei & so beschliessen wir, unsere Pläne zu ändern: Markus versucht, eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren, so dass wir hier irgendwie raus kommen. Beim Chef einer lokalen Transportfirma wird er fündig: Dieser sagt, er fahre am folgenden Tag sowieso nach Aus & wir könnten diese Strecke mit ihm fahren. Ein Lichtblick insbesondere auch darum, weil wir die Bewohner von Rosh Pinah bisher nicht als sehr freundlich erlebt haben. Statt in 2-3 Tagen legen wir die 165km nun also in gut 2 Stunden zurück... Ist zwar sehr schade, aber in der momentanen Situation wohl das Beste. Wir werden direkt zum wunderschönen Campingplatz Klein-Aus Vista gefahren & Patricia meint, am nächsten Morgen die Strecke nach Lüderitz unter die Veloräder nehmen zu können.

Doch in einer weiteren Nacht, in welcher sie starke Schmerzen verspürt & wir beide die halbe Zeit wach liegen, zerschlagen sich auch diese Hoffnungen. Dafür treffen wir erneut einen sehr hilfsbereiten Namibier, der uns samt Bikes & Gepäck in seinen Bucky packt & nach Lüderitz bringt. Dort suchen wir nochmals einen Arzt auf, dessen Diagnose nun aber anders tönt: Dies sei keine Infektion, sondern ... Gicht!!! Zugegeben, nach einer kräfteraubenden Veloetappe sehen wir abends vielleicht schon ein bisschen 'alt' aus, aber grad so? Der Arzt meint auch, für Frauen in diesem Alter sei dies zwar äusserst ungewöhnlich & er hätte es noch nie gesehen, aber auszuschliessen sei es nicht. Patricia kriegt gleich eine Cortisonspritze & Tabletten verabreicht. Und siehe da: Die Schmerzen & die Schwellung nehmen über Nacht deutlich ab & nachdem wir uns ein wenig über Gicht informiert haben, tönt es auch nicht mehr ganz so dramatisch. In ein paar Tagen sollte diese Attacke wieder vollständig ausgestanden sein & dann steht der Fortsetzung unserer Velotour nichts mehr im Wege!

So verbringen wir ein paar erholsame Tage in Lüderitz, in denen sich Patricias Fuss gut erholen kann. Lüderitz ist ein herziges, kleines Städtchen. Die vorherrschende Sprache ist Deutsch, dies allerdings nicht wegen der Touris, sondern auf Grund der geschichtlichen Vergangenheit. Da wir endlich wieder mal Internet-Zugriff haben, verbringen wir einige Stunden im Internet-Shop, lesen & beantworten Mails & aktualisieren unsere Homepage. Des Weiteren planen & organisieren wir die Fortsetzung unserer Reise & Markus lässt sich bei einem Hairdresser wieder mal seine Haare schneiden. Nach 6 Tagen Pause wagen wir uns auch endlich wieder richtig auf die Bikes & fahren 50km durch die Mondlandschaft der Lüderitzer Halbinsel. Am letzten Tag folgt eine Führung durch Kolmanskop, dieser ca. 10km vor Lüderitz liegenden Geisterstadt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt Kolmanskop als Boomtown des Diamanten schürfens. Seit ca. 50 Jahren ist die Stadt, welche zur Hochkonjunktur ca. 2'400 Einwohner zählte, jedoch verlassen. Die Wüste erobert sich ihr Territorium langsam wieder zurück, Dünen verlaufen heute durch die alten Gebäude, welche Dank des trockenen Klimas weiterhin in einem ziemlich guten Zustand sind.

Trotz Patricias weit fortgeschrittenen Genesung haben wir uns zu einer Programmänderung durchgerungen: Ursprünglich wollten wir in ca. 3-4 Wochen in Windhoek sein, dort ein Auto mieten & für ca. 1 Woche den Etosha National Park & Umgebung erkunden. Wir sind momentan aber der Meinung, dass es sich lohnt, Patricias Fuss ein paar weitere Tage Erholung zu gönnen. Andererseits verspüren wir beide Tatendrang & wollen nicht noch länger mehr oder weniger untätig herumsitzen. Deshalb mieten wir nun in Lüderitz für 7 Tage ein Auto & machen uns auf den Weg Richtung Etosha Pan. Unsere Velos, Bob sowie wenige Gepäckstücke (z.B. Velohosen & -werkzeug) lassen wir für diese Zeit in Lüderitz zurück. Anschliessend an unsere Auto-Spritzfahrt setzen wir die Velotour in Lüderitz wie geplant fort!

Zugegeben, die vergangene Woche hat unsere Reisepläne zuerst schon etwas durcheinander gebracht. Ebenfalls ist die Enttäuschung (insbesondere bei einem von uns beiden...) gross, dass wir es nicht schafften, die gesamte geplante Velostrecke mit den Velos zurückzulegen, sondern auf Autohilfe angewiesen waren... Wir sind nun aber primär froh, dass sich alles zum Guten gewendet hat & freuen uns jetzt auf die Woche mit den hoffentlich vielen wilden Tieren! Wir sind auch überzeugt, dass wir anschliessnd unsere Velotour fortsetzen können!

Zum Schluss die aktualisierte Statistik:
  • Totaldistanz:
    davon Gravel Road:
  • reine Fahrzeit:
  • Höhenmeter total:
  • Anzahl Velotage:
  • Anzahl Platten:
1'590km
511km
108h 34min
12'391Hm
22
3x Patricia
1x Bob

Zu den Fotos...

Patricia & Markus, 11.04.2005

© pk&mk 07.01.2006